Horrorfilme und Realität: Warum es hier zurzeit stiller ist

Die aktuelle Weltlage, in der Tod und Leid im Stundentakt über die Newsticker flackern, beeinflusst zunehmend den Blick auf Horrorfilme und Realität. Diese Entwicklung hinterlässt Spuren, die auch vor meiner Leidenschaft für den Film nicht haltmachen. Ich befinde mich derzeit in einer tiefen Ambivalenz, die es mir schwer macht, in gewohnter Regelmässigkeit neue Inhalte zu produzieren.

Zwar habe ich meine Analysen schon immer mit politischen Ereignissen verknüpft, doch zurzeit erlebe ich eine Verschiebung, bei der die ungeschönte Brutalität der Realität die fiktive Welt des Horrors einholt. Die Grenze zwischen dem inszenierten Schrecken und dem echten Entsetzen ist so durchlässig geworden, dass sich mir bei beinahe jedem Film sofort Querverweise zu den realen Tragödien unserer Zeit aufdrängen. In der aktuellen Konstellation würden meine Texte beinahe zwangsläufig in einseitigen politischen Analysen münden, die oft als Kritik an den USA enden würden.

Die Verbindung zwischen Horrorfilmen und Realität

Gleichzeitig schränkt sich mein Fokus weiter ein, da die grossen Weltmächte aktuell alles dafür tun, durch Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen als Aggressoren in die Geschichte einzugehen. Da ich Filme grundsätzlich nur in der Originalsprache schaue (bei mir fremden Sprachen natürlich mit Untertiteln), fehlt mir momentan schlicht der Impuls, mich intensiv mit Produktionen aus diesen Regionen auseinanderzusetzen. Wenn die Wirklichkeit zu düster wird, verliert der fiktive Schauer seine reinigende Wirkung.

Dazu kommt eine ganz praktische Komponente, denn ich stemme dieses Projekt hier komplett alleine. Hinter dieser Website steht keine Redaktion, sondern ausschliesslich ich als Einzelperson. Um einen Artikel zu verfassen, der meinen eigenen Ansprüchen genügt, wie man es beispielsweise in meinen bisherigen Analysen lesen kann, muss ich zu einhundert Prozent präsent sein und meine volle Energie investieren können. Diese Kraft fliesst momentan jedoch zwangsläufig in die Auseinandersetzung mit der politischen Lage. Was dazu führt, dass ich mir im Moment eher Sport oder Komödien ansehe.

Das Horrorgenre ist meine Leidenschaft und benötigt deshalb meine volle Konzentration. Ich habe den Anspruch, keine halbherzigen Artikel zu veröffentlichen, weshalb Horrorfilme es verdienen, dass ich meine ungeteilte Aufmerksamkeit und Beobachtungsgabe darauf fokussiere. Solange ich diese volle Hingabe nicht immer garantieren kann, wird es zu längeren Wartezeiten zwischen den Artikeln kommen. Ich werde weiterhin schreiben, doch neue Beiträge erscheinen erst dann, wenn die Welt und mein Kopf wieder den nötigen Raum für eine differenzierte filmische Dunkelheit zulassen.

Ich danke euch für euer Verständnis und eure Geduld.